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Der Branchenverband ICT-Berufsbildung Schweiz hat im vergangenen November die besten Junginformatikerinnen und -informatiker des Landes ausgezeichnet. In der Kategorie "praktische Abschlussarbeit" gewann Anna Veraguth aus Reutigen.

Seit diesem Sommer sind Sie Informatikerin EFZ. Was gab den Ausschlag für Ihre Berufswahl?

Auf die Informatik bin ich über mein Hobby, die Tierfotografie, gestossen. Ich wollte meine Bilder einem grösseren Publikum zeigen. Also begann ich, Websites zu programmieren. Dabei ist mein Interesse für die Informatik erwacht. Es ist also nicht so, dass ich bereits als Kind Computer seziert oder Netzwerke gebaut hätte – was ich bis heute nicht tue. Mich fasziniert die kreative Seite meines Berufs, das Gestalten und Programmieren.

Sie waren bei Lehrbeginn 22 Jahre alt. Was haben Sie zwischen Schulende und Lehrbeginn gemacht?

Ich habe die Quarta und die Tertia des Gymnasiums absolviert – aber ich war wohl nicht der Typ dafür. Ich wollte arbeiten. Also habe ich mich mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Mein Freund hat mich schliesslich motiviert, eine Informatiklehre zu machen. Eigentlich glaubte ich mich schon zu alt dafür... (lacht)

Als Frau sind Sie in der Informations- und Kommunikationstechnologie eine "Exotin" – auf hundert Berufsleute kommen gerade mal dreizehn Frauen. Wie erklären Sie sich das?

Viele Frauen denken, Informatik sei etwas für "Nerds" – Fachidioten und Einzelgänger, welche in einsamen Kellerräumen Computer auseinanderschrauben oder programmieren. Das ist ein komplett falsches Bild! Informatik bedeutet Kommunikation und Teamarbeit. Wer die Probleme seiner Kunden nicht versteht, kann ihnen keine Lösungen bieten. Und intelligente Lösungen entstehen in der Regel im Team. Der Beruf ist auch weit weniger technisch als gemeinhin angenommen. Wer wie ich in der Applikationsentwicklung tätig ist, hat mit Hardware, Kabel und Co. wenig zu tun.

Wie müssen Frauen angesprochen werden, damit sie sich vermehrt für Informatik interessieren?

Man muss ihnen sagen, dass Informatikerin ein kreativer und kommunikativer Beruf ist, dass die Arbeit gut bezahlt wird und dass Teilzeit- und Telearbeit möglich sind – was im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig ist.

Wie steht es mit Mathematik? Sie schreckt viele Frauen ab.

Wer in der Sekundarschule ein 4,5 oder 5 in Mathematik hat, dürfte in der Berufsfachschule keine Probleme haben. Wichtiger ist jedoch die Fähigkeit zum abstrakten Denken. Schliesslich gilt es, ein reales Problem in die abstrakte Sprache des Programmierens zu übersetzen.

Was empfehlen Sie jungen Frauen, die mit einer Informatikausbildung liebäugeln, sich diese aber nicht zutrauen?

Sie sollen schnuppern gehen. Einige Betriebe bieten eigens Schnuppertage für Frauen an, zum Beispiel das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation. Und sie sollen einen Eignungstest machen. Vielleicht werden sie wie ich überrascht sein vom Resultat. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich den Test bestehen würde.

Wie erleben Sie den Arbeitsalltag: Haben Sie als Frau einen Vorteil, einen Nachteil oder spielt das Geschlecht keine Rolle?

Ich erlebe weder Bevorzugung noch Diskriminierung. Bei uns zählt die Leistung, nicht das Geschlecht.

Sie haben den "ICT Young Professional Award 2012" für die beste praktische Abschlussarbeit gewonnen. Worum ging es in dieser Arbeit?

Ich habe während meiner Lehrzeit am Projekt "e-dec" der Eidgenössischen Zollverwaltung mitgearbeitet. "e-dec" verarbeitet pro Tag gegen 200 000 Zolldeklarationen und enthält einen Algorithmus zur Fehlererkennung. Ich habe ein Instrument entwickelt, mit welchem man die Regeln zur Fehlererkennung einfacher verwalten kann.

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Ich bin sehr stolz und hätte nie damit gerechnet. Immerhin wurden rund 2000 Arbeiten bewertet.

Mit dem Abschlusszeugnis und dem Award stehen Ihnen viele Wege offen. Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?

Ich habe bei der Firma A.P. Kern in Uetendorf eine Anstellung gefunden, bei der ich viel Neues dazulerne. Wir entwickeln Software für das Gesundheitswesen. Vielleicht werde ich in ein paar Jahren im Rahmen der Höheren Berufsbildung den Fachausweis als Informatikerin machen. Vorerst möchte ich aber ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln.

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Anna Veraguth (26) ist seit diesem Sommer Informatikerin mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ), Fachrichtung Applikationsentwicklung. Ihre Lehrstellensuche verlief problemlos (zwei Bewerbungen, zwei Zusagen). Die Ausbildung hat sie beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation absolviert. In der Freizeit beschäftigt sich Anna Veraguth mit ihren zwei Ponys, mit der Fotografie (www.horse-art.ch) und dem Programmieren von Websites. "Mir macht es einfach Spass, Ideen umzusetzen", sagt die junge Frau.

Das Interview wurde erstmalig im espace einsteiger (externe Seite) publiziert, Autor: Rolf Marti (externe Seite).