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Noemi Stucki ist fasziniert von einer Maschine, «die gerade mal Null und Eins unterscheiden kann»: dem Computer. Zurzeit studiert sie an der Fachhochschule Bern Informatik. Dass es in ihrem Beruf kaum Frauen gibt, erklärt sie mit falschen Vorstellungen und fehlenden Vorbildern.

Sie sind Informatikerin EFZ, absolvieren den Fachhochschulstudiengang "Bachelor of Science Informatik" und beschäftigen sich auch in der Freizeit mit Computern. Sind Sie das, was man gemeinhin als Computerfreak bezeichnet?

Das klingt aber sehr negativ... (lacht). Klar beschäftigte ich mich viel und gerne mit Computern – nicht nur beruflich. Trotzdem gehöre ich nicht zu jenen Menschen, die ständig vor irgendeinem Bildschirm sitzen und irgendwelche Games spielen. Für mich ist der Computer ein Arbeitsinstrument und ein wichtiges Hilfsmittel im Alltag.

Was fasziniert Sie an der Informatik?

Mich fasziniert, dass eine an sich primitive Maschine, die gerade mal Null und Eins unterscheiden kann, zu solchen Höchstleistungen fähig ist. Heute gibt es kaum noch einen Lebensbereich, indem wir nicht auf den Computer angewiesen sind.

Woher rührt Ihr Interesse an der Informatik?

Mein Vater ist Informatikingenieur und berät auch privat viele Leute bei Fragen rund um die Informatik. So konnte ich schon als Kind mithelfen, Computer aufzusetzen oder Geräte zu reparieren. Meine Neugier wuchs und so entstand der Wunsch, genau zu verstehen, wie dieses Ding funktioniert. Deshalb habe ich mich für eine berufliche Grundbildung als Informatikerin entscheiden.

Stellen wir eine Behauptung auf: Informatiker/-innen sind Mathematikgenies, Logikfreaks und Eigenbrötler, die lieber alleine als im Team arbeiten. Richtig oder falsch?

Falsch. An der Berufsmaturitätsschule habe ich mich in Mathe eher schwer getan. Und was Logik und Eigenbrötlerei betrifft: Ich spiele weder Schach noch ziehe ich einen Abend vor dem PC einer guten Party vor. Informatiker/-innen sind ganz normale Menschen. Das Klischee, das immer wieder gezeichnet wird, trifft nur in Ausnahmefällen zu. Noch eine Bemerkung zur Teamarbeit: Ohne sie läuft gar nichts in der Informatik. Die meisten Aufgabenstellungen sind so komplex, dass sie alleine gar nicht zu bewältigen sind. Soziale und kommunikative Kompetenzen sind daher zentral in unserem Beruf.

Viele junge Frauen machen aufgrund der genannten Vorurteile einen Bogen um die Informatik. Das Resultat: Nur dreizehn von hundert Informatikberufsleuten in der Schweiz sind Frauen. Was lässt sich dagegen tun?

Wichtig ist, dass wir den interessierten jungen Frauen ein realistisches Berufsbild vermitteln. Rechnen ist nicht die entscheidende Disziplin in diesem Beruf. Und man verbringt auch nicht mehr Zeit vor dem Bildschirm als jemand, der eine kaufmännische Grundbildung macht. Wir haben viele Sitzungen und müssen auch mal an der Hardware arbeiten.

Fehlen den jungen Frauen einfach die Vorbilder – Vorbilder wie Sie?

Sicher. Aber ich bin gerne bereit, in Schulen zu gehen und den jungen Frauen zu erzählen, worauf es in meinem Beruf wirklich ankommt. Ich wäre damals froh gewesen, mir hätte jemand gesagt, das Mathe nicht so entscheidend ist. Klar ist: Frauen sind für die Informatik genau so geeignet wie Männer – oder vielleicht noch besser, weil sie vernetzter denken.

Was empfehlen Sie jungen Frauen, die mit einer Informatikausbildung liebäugeln, sich diese aber nicht zutrauen?

Sie sollen die Vorurteile über Bord werfen und sich ein eigenes Bild des Berufs machen, indem sie in verschiedenen Betrieben schnuppern und mit Berufsleuten reden.

Sie haben die berufliche Grundbildung als Informatikerin EFZ bei der Schweizerischen Post absolviert. Hatten Sie als Frau einen Vorteil bei der Lehrstellensuche und während der Ausbildung?

Bei der Vergabe der Lehrstellen werden alle gleich behandelt. Man muss das Anforderungsprofil erfüllen, Punkt. In der Ausbildung haben mich die ausschliesslich männlichen Kollegen hervorragend aufgenommen. Man hat mir nie das Gefühl gegeben, als Frau für diesen Beruf ungeeignet zu sein – im Gegenteil.

Im Rahmen der Ausbildung haben Sie den Lernenden-Award der Post sowie eine nationale Auszeichnungen für eine der zehn besten Abschlussarbeiten gewonnen. Was bedeuten Ihnen diese Erfolge? Ich habe weder die eine noch die andere Auszeichnung erwartet und bin entsprechend stolz – insbesondere auf den Lernenden-Award, weil er neben der fachlichen Leistung auch Motivation, Engagement und Sozialkompetenz bewertet. Beide Auszeichnungen geben Selbstvertrauen und motivieren mich, im Beruf weiterhin Vollgas zu geben.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach dem Studium?

Ich habe noch keine konkreten Pläne. Vermutlich werde ich mich auf Sicherheitsfragen spezialisieren, also auf die Abwehr von Viren und Hackerangriffen. Klar ist: Mein Studium eröffnet beste Aussichten. Die Unternehmen reissen sich um Studienabgänger/-innen.

Noemi Stucki

Noemi Stucki (21) hat ihre berufliche Grundbildung als Informatikerin mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ), Fachrichtung Systemtechnik, im Sommer 2012 abgeschlossen. Ihre Ausbildung hat sie bei der Post CH AG absolviert und dabei den Lernenden Award für besonderes Engagement sowie eine Auszeichnung der ICT Berufsbildung für eine der zehn besten Informatik-Facharbeiten der Schweiz 2012 gewonnen. Zurzeit absolviert Noemi Stucki an der Berner Fachhochschule in Biel den Bachelor of Science in Informatik.

Das Interview wurde erstmalig im espace einsteiger (externe Seite) publiziert, Autor: Rolf Marti (externe Seite).